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Uckermark - Einfach schön!

Zu Besuch in der GALERIE KUNSTPLATZ Lychen bei Robert Günther

Wo sich Einkaufswagen an den Regalen eines Super-, später eines Drogeriemarktes vorbeischlängelten, hat Robert Günther einen besonderen Ort der Begegnung geschaffen. Aus „Ihr Platz“ wurde 2017 KUNSTplatz.

Wo sich Einkaufswagen an den Regalen eines Super-, später eines Drogeriemarktes vorbeischlängelten, hat Robert Günther einen besonderen Ort der Begegnung geschaffen. Aus „Ihr Platz“ wurde 2017 KUNSTplatz. Mit Atelier, Galerie, Café, Shop auf hellen 300 Quadratmetern, ganzjährig geöffnet mit wechselnden Ausstellungen, in denen die Kunst und die anregende Auseinandersetzung mit ihr im Mittelpunkt stehen. „Kunst ist Lebensmittel“ lautet der Slogan. Robert Günther, gelernter Holzbildhauer und Restaurator, lebt seit zwanzig Jahren in der Flößerstadt und sagt von sich: „Ich will staunen, fragen, neu entdecken. Das ist, was mich antreibt. Deshalb bin ich Künstler“. Im KUNSTplatz nimmt er seine Besucher mit auf diese Entdeckungsreisen.

KUNSTplatz Lychen
Galerie | Café | Shop
Zehdenicker Straße 38
17279 Lychen

www.kunstplatz-lychen.de

In der zeitig einsetzenden Dämmerung des Spätwinters tut das Leuchten hinter den großen Fensterscheiben gut. Auch wenn in dieser etwas zähen Zeit in Lychen anders als im Frühjahr und Sommer nur wenige Menschen unterwegs sind, signalisiert dieses Licht: Es ist jemand hier, komm rein. Außerdem: Hier gibt es kein Hindernis, keine Schwelle, keine Klinke. Ein Schritt in Richtung gläserne Eingangstür, auf dem ein Plakat den Titel der aktuellen Ausstellung verrät, reicht: Sie öffnet sich automatisch. Wie zu Supermarkt-Zeiten. Supermarkt, Super-Markt, super Markt. Ihr Platz, mein Platz, KUNSTplatz. Ich weiß, dass Robert Günther Wortspiele schätzt, Mehrdeutigkeiten, dieses Nicht-Festlegen auf Offensichtliches, und freue mich auf das folgende Gespräch. Die Tür geht auf.

Lychen ist ein beliebter Urlaubsort. Spielte das eine Rolle bei der Entscheidung, hier 2017 den KUNSTplatz eröffnen?

Unbedingt. Grundsätzlich geht es doch um die Frage, an wen richtet sich das Angebot, wer nimmt es an? Meine Antwort: Es ist für alle Menschen, die hier sind. Egal, ob sie hier leben, im Urlaub oder auf der Durchreise sind. In einer Region mit wenigen Einwohnern vergrößert natürlich jeder Tourist, jeder Tagesgast, jeder Mensch auf Familienbesuch den Kreis derer, die Angebote wie eine Ausstellung wahrnehmen können und wollen. Besonders bemerkbar macht sich das hier bekanntlich vor allem zwischen Ostern und dem Ende der Oktoberferien.

Aber der KUNSTplatz hat das gesamte Jahr auf…

Bis auf eine ganz kurze Pause ist die Galerie tatsächlich das ganze Jahr geöffnet. Weil, da sind wir wieder bei der ersten Frage, das gesamte Jahr über Menschen hier sind. Diejenigen, die im Herbst und Winter als Urlauber kommen oder an den Wochenenden in Lychen sind, finden damit offene Türen auch in Zeiten, in denen es hier sehr viel ruhiger zugeht als im Sommer. Stichwort Saisonverlängerung. Vieles bleibt nach der Saison geschlossen, weil weniger Leute kommen. Die kommen aber auch deshalb nicht, weil Angebote fehlen. Deshalb ist mir wichtig, dass es im KUNSTplatz das ganze Jahr über Kunst gibt und Kaffee oder Wein und für den, der will, auch ein Gespräch.

… und ein „Winterquartier“ für die Kunst?

Auch das gehört dazu. Der KUNSTplatz bietet den Arbeiten von Künstlerkollegen, die ihre Ateliers und Galerien im Winter geschlossen haben, ein Quartier. Zu sehen in einer Winterausstellung, die einen Querschnitt zeigt, so eine Art Schaufenster ist und Kunstwerke versammelt, die im Sommer dezentral an vielen kleinen Orten zu sehen sind. Treffen sie aufeinander, können interessante Konstellationen entstehen. Das inspiriert die Besucher. Es kann also durchaus sein, dass sie hier im KUNSTplatz im Winter eine Idee bekommen, welche Galerie oder welchen Künstler sie im nächsten Frühjahr besuchen wollen. Gut so. Und hier ist im Winter der Ort, an dem die Besucher Neuem begegnen, vielleicht ein Weihnachtsgeschenk kaufen und die Muße und die Ruhe dieser Jahreszeit genießen. Kunst hat immer Saison.

Im KUNSTplatz scheinen viele Fäden zusammenzulaufen.

Stimmt, hier ist ein Treffpunkt, an dem gemeinsame Projekte und Vorhaben besprochen und geplant werden. Es ist ja nicht so, dass jeder nur für sich arbeitet. Wir tauschen uns aus, daraus entstehen neue Anregungen und Begegnungen. In diesem Prozess sehe ich mich durchaus als Moderator. Und dieser Wunsch, unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen zu zeigen, sich Themen mit unterschiedlichen Mittel zu nähern, der spiegelt sich in den Ausstellungen wider. Wir feiern die Kunst und nicht den einzelnen Künstler. Es gibt auch Einzelausstellungen, aber das sind Ausnahmen. In den allermeisten Fällen sind Arbeiten mehrerer Künstler zu sehen. Ich schaffe Räume auf der großen Ausstellungsfläche, verwerfe wieder, hänge um, das sind immer interessante und auch anstrengende Tage. Ich möchte Anregendes und Spannendes für die Besucher schaffen, ich lade sie ein, selbst zu entdecken, sich die Ausstellungen zu erschließen, ich möchte nicht alles fertig vorsetzen. Der KUNSTplatz verbindet also nicht nur verschiedene Künstler, er verbindet die Besucher mit der Kunst.

Und das darf und soll unterhaltsam sein. Ich habe nichts dagegen, wenn sich jemand nebenan ein Eis holt und damit in die Galerie kommt. Das ist dann ein Eis-Kunst-Lauf. Wunderbar passen Kunst und Wein zusammen. So heißt eine Galerieführung, die ich gemeinsam mit einem Sommelier anbiete. Geistreich, im wahrsten Sinne des Wortes, Kunstgenuss für alle Sinne. Im KUNSTplatz ist die ganze Familie willkommen, auch der Wanderer und Radfahrer kann gern Station machen. Statt Vernissage gibt es zum Start einer neuen Ausstellung ein unkompliziertes Open house. Mit der Möglichkeit, mit Künstlern und anderen Besuchern ins Gespräch zu kommen – oder einfach nur zu schauen.

Ist es das, was Menschen hier suchen?

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es Erlebnisse sind, die Gäste schätzen und die viele wiederkommen lassen. Sinnliche Erfahrungen, die sie nur hier haben können. Die Landschaft hat Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Gäste und auch viele Künstler in diese Region gelockt. Und die Natur, die Weite und Stille, die man heute selbst in der Hochsaison noch finden kann, sind für viele Gäste noch immer die wichtigsten Gründe, in die Uckermark zu kommen. Kunst, Musik und andere Veranstaltungen in diesem Umfeld können dabei für besondere Erlebnisse sorgen, anregen, vielleicht auch neue Perspektiven erschließen, Menschen interessieren und begeistern. Die musikalisch-kulinarischen Wanderungen SausBraus, die Henning Storch und Jörg Hartzsch in Lychen anbieten, sind so ein Beispiel. Und den KUNSTplatz sehe ich da auch. Gäste bestätigen mir das immer wieder in Gesprächen. Sie wünschen sich Tipps von mir und ich frage sie gern, was hier machen, was sie alles unternehmen. Ich staune oft, was sie mir aufzählen, was sie kennen und erleben. Fast immer geht es um Natur, Kultur und Gastronomie. Und diese Angebote müssen ineinandergreifen. Es hat sich übrigens noch niemand beklagt, dass es hier zu wenig Kultur gibt. Eher, dass es zu bestimmten Zeiten schwierig ist, etwas zu essen zu bekommen. Wenn wir über Saisonverlängerung reden, brauchen wir verlässliche Angebote und Öffnungszeiten. Und auch, das höre ich immer wieder, mehr Möglichkeiten, ohne Auto mobil zu sein, ÖPNV-Anbindungen auch in benachbarte Regionen wie die Seenplatte oder die Müritzregion.

Der KUNSTplatz feiert in diesem Jahr sein sechsjähriges Bestehen. Was wünschst Du Dir zum zehnten oder fünfzehnten Galeriegeburtstag?

Immer wieder begeisterte Besucher. Denn das ist der Ansporn, weiterzumachen. Das Projekt KUNSTplatz ist grundsätzlich langfristig angelegt, es wächst und entwickelt sich durch Menschen, die wiederkommen, die uns empfehlen. Menschen, denen etwas fehlen würde, wenn es uns nicht gäbe.

Interview geführt von Birgit Bruck

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