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Uckermark - Einfach schön!

Zu Besuch bei Tischler DIRK KAMMER in Fürstenwerder

Dirk Kammer ist Uckermärker: 1972 in Prenzlau geboren, in Fürstenwerder aufgewachsen. Tischlerlehre, Meisterausbildung, erste Schritte als Meister in einer gepachteten Werkstatt in Mecklenburg-Vorpommern. Gucken, ob es funktioniert mit der Selbständigkeit. Es funktionierte und vor 19 Jahren hat er sich im heimischen 800 Einwohner-Ort als Tischlermeister niedergelassen.
Tischler Dirk Kammer in Fürstenwerder

Dirk Kammer ist Uckermärker: 1972 in Prenzlau geboren, in Fürstenwerder aufgewachsen. Tischlerlehre, Meisterausbildung, erste Schritte als Meister in einer gepachteten Werkstatt in Mecklenburg-Vorpommern. Gucken, ob es funktioniert mit der Selbständigkeit. Es funktionierte und vor 19 Jahren hat er sich im heimischen 800 Einwohner-Ort als Tischlermeister niedergelassen. Weil es hier keine Tischlerei gab, weil er gern in Fürstenwerder lebt und weil er hier für sich und sein Handwerk eine Zukunft sieht. Was er baut, steckt in den Häusern der Umgebung oder geht als Verpackung für Maschinen um die Welt. In der Tischlerei arbeiten sie zu zweit, seinen Gesellen hat Dirk Kammer selbst ausgebildet. Über das Handwerk im Allgemeinen und seine Arbeit im Besonderen sagt er: Irgendjemand muss sich die Hände schmutzig machen, muss Werte schaffen. Und der ehrenamtliche Ortsvorsteher sagt auch: Eine Idee allein reicht nicht, wenn du was erreichen willst.

Tischlerei Kammer
Tischlermeister Dirk Kammer
Ernst-Thälmann-Straße 36
17291 Nordwestuckermark/OT Fürstenwerder

Die Tischlerei Kammer liegt mitten im Ort. Direkt gegenüber ist die Kirche, nebenan der Konsum, der jetzt „Dein Kaufmann“ heißt, ein paar Meter weiter Bäcker, Fleischer, Buchladen und die Heimatstube, die es in einem Roman als „Haus der Heimat“ mit allerlei mystischem Geschehen zu einiger Berühmtheit brachte.

Als ich die Tür zur Werkstatt öffne, freue ich mich auf den Holzgeruch und werde nicht enttäuscht. Bretter, Latten, Balken, moderne Technik zum Zuschneiden und die klassischen Werkzeuge, ohne die aus diesem Holz kein Tisch und kein Carport wird. Vor dem großen Fenster, das einen Blick auf den winterlichen Dammsee freigibt, steht der Meister. Er lässt den gerade angefangenen Bilderrahmen liegen und nimmt sich Zeit für ein paar Fragen.

Eine Idee allein reicht nicht, sagen Sie. Was braucht man denn noch, um mit einem Unternehmen erfolgreich zu sein?

Mir haben fast 24 Jahre Erfahrung in der Selbständigkeit gezeigt: Neben dem fachlichen Wissen, der soliden handwerklichen Basis, gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu. Dieses Glück hat mir zum Beispiel dabei geholfen, mich auf diesem Grundstück, auf dem seit der Wende vom Konsum errichtete Gewerberäume leer standen, niederzulassen. Zu Konditionen, die für mich machbar waren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für einen jungen Menschen, der nicht in ein Familienunternehmen hineinwächst oder erbt, nicht so einfach ist, in die Selbständigkeit zu starten. Aber ich konnte mir – auch mit dem erwähnten Quäntchen Glück – meinen großen Wunsch erfüllen, eine eigene Tischlerei in meinem Heimatort Fürstenwerder zu betreiben. Das ist übrigens etwas, was man wirklich wollen muss, die Selbständigkeit und das Handwerk. Ohne Leidenschaft, ohne hohen Aufwand geht da nichts. Wenn man erzielte Einkünfte und Arbeitszeit ins Verhältnis setzt, könnte das Ergebnis für den einen oder anderen ernüchternd sein. Aber es ist genau das, was ich machen will, es macht Spaß. Das zählt. Und ich will es genau hier machen.

Warum?

Als Tischler könnte ich sicher überall arbeiten. Aber hier bin ich zu Hause. Und ich halte einen Betrieb mit einem produzierenden Gewerbe am Laufen und denke, das ist wichtig für einen Ort, für eine Region.

Wer sind Ihre Kunden?

Vor allem die Menschen, die hier wohnen. Wer einen Tischler braucht, kommt zu mir. Weil ich vor Ort bin, weil man gemeinsam schauen kann, was geht. Weil ich Qualität liefere. Fenster, Treppen, Tische, Carports … was eben gebraucht wird in Häusern und auf Grundstücken. Das funktioniert meistens über Mundpropaganda, über Empfehlungen und gute Erfahrungen. Ich habe einen festen Kundenstamm und was ich baue, bleibt meist in der Region. Auch wenn es schon mal eine Bestellung von einem Gast aus Süddeutschland gab, der meine Arbeit hier kennengelernt und dann Möbel bei mir bestellt hat, die jetzt in Schwaben stehen.

Wie wirkt sich die touristische Entwicklung der Region auf Ihr Geschäft aus?

Der Tourismus gehört zu unserer Region und da hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es sind neue Unterkünfte entstanden, neue Infrastruktur wie Rad- und Wanderwege, dazu kommt der nicht nur durch Corona bedingte Trend, in Deutschland Urlaub zu machen. Nun kann man aber nicht 1:1 eine Rechnung aufmachen – neues Ferienhaus, sanierte Ferienwohnung = mehr Aufträge für den Tischler… Das stimmt so nicht. Die Nachfrage ist für mein Unternehmen dadurch nicht größer geworden, einige Reparaturen in Ferienwohnungen vielleicht, das ist eher ein kleiner Anteil. Aber die Tatsache, dass Menschen in die Region kommen, hier übernachten und einkaufen oder dass leerstehende Häuser saniert und dann selbst genutzt oder vermietet werden, das ist insgesamt und auch für die Gewerbetreibenden gut. Das generiert Einkommen, das Menschen unter anderem wieder für Handwerkerleistungen ausgeben können. Und es trägt dazu bei, dass man hier sein Auskommen hat und bleibt.  

Wo sehen Sie besondere Herausforderungen?

Maßhalten ist eine meiner Maximen im Unternehmen und ich denke, auch beim Tourismus sollten wir uns um Augenmaß bemühen. Kein Wachstum um jeden Preis. Das erfordert Gespür für eine Region und auch für eine Situation. Wenn Menschen gern hierherkommen, muss ich auch fragen: Welche Entwicklung hält ein Ort aus? Wann geht vielleicht das verloren, was Menschen hier mögen und suchen. Ruhe, Naturnähe, das Familiäre… Deshalb sehe ich hier zum Beispiel keinen Bustourismus, beim Thema Caravan braucht man viel Fingerspitzengefühl. Statt auf Quantität auf Qualität setzen. Bei den Unterkünften, bei der touristischen Infrastruktur. Die Uckermark setzt auf naturnahe Angebote, die Menschen, die hierherkommen, wollen Natur erleben. Deshalb wünsche ich mir, dass sich auf absehbare Zeit etwas tut bei der Verbesserung der Infrastruktur, zum Beispiel bei der Radwegeanbindung von Fürstenwerder in Richtung Woldegk und Feldberg. Dass es vor Ort Investitionen gibt, von denen viele profitieren. Das alles ist dann wieder eine Basis auch für Konsum, Bäcker, Fleischer, Gastronomie, die Unternehmen im Ort. Wenn es hier vor Ort Angebote gibt, profitieren Gäste und Einwohner gleichermaßen. Dieses Gefühl auch den hier lebenden Menschen zu vermitteln ist wichtig. Sie müssen sich gebraucht und gefragt fühlen. Als ich vor sieben Jahren zum ersten Mal zu Frühjahrs- und Herbstputz eingeladen hatte, gab es auch Skepsis. Was, Subbotnik? Aber gemeinsam etwas zu tun, sich kennenzulernen, anschließend gemeinsam zu essen und zu trinken, das funktioniert und schafft Zusammengehörigkeitsgefühl. Das brauchen wir.

Wo sehen Sie Ihren Heimatort und Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Um beim letzten Beispiel zu bleiben: Es geht nur mit Bürgern, die mitmachen. Ich will weiter versuchen, so viele wie möglich einzubeziehen und vielleicht Einiges anzuschieben. Umsetzen müssen wir es dann alle. Ich habe schon gesagt, dass ich unsere Entwicklung in den vergangenen Jahren durchaus positiv sehen. Neue kulturelle Angebote sind entstanden, die Qualität des Wohnens und Lebens hat sich verbessert – das ist für mich eine gute Bilanz. Ich wünsche mir, dass junge Leute hierbleiben oder zurückkommen. Dass es eine Balance von Einheimischen, Zugezogenen und Wochenendbewohnern gibt. Um gemeinsam etwas erreichen zu können, braucht es Menschen, die ständig hier sind. Wenn der Anteil der Häuser, die von Montag bis Freitag leer sind, zu groß wird, ist das schwierig. Ich werde vielleicht noch einen Lehrling ausbilden, denn wenn ich zehn Jahre voraus denke, dann auch daran, dass ich hoffentlich einen Nachfolger für diese Tischlerei habe. Damit dieses Angebot für den Ort, für die Region erhalten bleibt. Ich habe noch einige Pläne, denke zum Beispiel über eine autarke Energieversorgung nach. Ich freue mich auf das, was kommt. Und eines weiß ich nach all den Jahren als Tischler in Fürstenwerder: Ich würde es wieder machen.

+++

Interview geführt von Birgit Bruck

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